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Markenbindung auf der Piste | © © Fischer Sports GmbH

Markenbindung auf der Piste

von Marco Neher

Meine Beziehung zu Fischer begann nicht im Kopf, sondern im Leben. Im Montafon, in den 1990ern. Kadertraining, Rennen an fast jedem Wochenende, drei Einheiten pro Woche. Eisige Hänge, frühe Starts und der permanente Anspruch, schneller zu sein als am Tag davor.

In so einem Umfeld beobachtet man genau, wer was fährt. Ski-Ausrüstung und Ski-Marken sind Gesprächsstoff. Orientierung. Status.


Viele wechselten damals zu Atomic. Später zu Head. Das waren die Marken, über die man sprach. Die als überlegen galten. Die im Weltcup die Siege holten. Manche hatten Fischer längst abgeschworen, ich bin geblieben.


Nicht aus Trotz. Sondern weil sich dieser Ski für mich richtig angefühlt hat. Und irgendwann war es mehr als ein Gefühl. Es war Teil meiner Identität.

In meiner kleinen Trainingsgruppe war ich einer der wenigen mit Fischer. Und genau daraus entstand etwas Eigenes. Ich gehörte nicht zur Masse. Ich hatte meinen Ski. Und ich wollte mit genau diesem Ski zeigen, was möglich ist.


Wenn ich auf harter, blanker Piste die Kante setzte und spürte, wie sie greift, schrieb ich dieses Vertrauen der Marke zu. Ob das objektiv belegbar ist, spielt keine Rolle. Für mich war es Realität. Diese Erfahrung hat sich eingeschrieben.


Nie ohne meine Fischer-Ski
Nie ohne meine Fischer-Ski

Ich habe die Fischer Athlet:innen verfolgt.

Ich habe argumentiert, verteidigt, geschwärmt. Und ich merke bis heute, wie tief diese Bindung sitzt. Selbst dann, wenn andere mit guten Gründen eine andere Entscheidung treffen.

Ein einziges Mal habe ich bewusst zu einer anderen Marke gewechselt. Und ausgerechnet dann habe ich mir nach Jahrzehnten auf den Ski das erste Mal ernsthaft wehgetan. Natürlich weiß ich, dass das nichts mit dem Logo auf dem Ski zu tun, sondern viele andere gute und nachvollziehbare Gründe hatte. Und doch war der Gedanke da: Mit meinem Fischer wäre das nicht passiert.


Das ist nicht rational. Aber es ist ehrlich.


Heute ist mir klar, dass es womöglich Ski gibt, die technisch besser zu meinem aktuellen Fahrstil passen. Aber darum geht es nicht. Es geht darum, dass ich als Kind einen Teil meiner Identität auch mit genau diesem Ski verwoben habe. Zwischen Startnummern, Vereinsjacken und Siegerehrungen, die für Außenstehende unbedeutend waren – für mich nicht.



© Fischer Sports GmbH
© Fischer Sports GmbH

Fischer wusste nichts von diesem Jungen. Kein Marketingplan konnte vorsehen, dass genau hier, auf einer verschneiten Trainingspiste, eine jahrzehntelange Bindung entsteht. Und doch ist genau das passiert.

Markenbindung entsteht nicht nur durch Kommunikation. Sie entsteht in Momenten, in denen eine Marke zur Projektionsfläche wird – für Ehrgeiz, Abgrenzung, Stolz, Zugehörigkeit. Man kann diese Momente nicht steuern. Aber man kann eine Marke so führen, dass sie anschlussfähig ist. Dass sie Bedeutung tragen kann. Dass sie Raum lässt, um Teil einer persönlichen Geschichte zu werden.


Wenn das gelingt, verteidigen Menschen eine Marke. Sie empfehlen sie weiter. Sie entscheiden sich wieder für sie. Nicht immer rational. Aber konsequent.Beim Tennis geht es mir übrigens genauso. Auch hier würde ich meine Lieblingsmarke nicht aus der Hand geben. Und die heißt natürlich: Head.


Marco Neher

Über die:den Autor:in

Marco kommt aus der strategischen Stakeholder-Kommunikation und weiß, wie man unterschiedliche Menschen anspricht, mitnimmt und fasziniert - von der Positionierung über die Repositionierung bis hin zum Employer Branding. Sein Ziel: Marken und Unternehmen zukunftssicher machen und Menschen mit der richtigen Kommunikation begeistern.

Marco Neher Markenstratege T. +43 664 998 21 34 E. marco.neher@breitetiefe.com
Von
ACC - Agentur für Creative Communication